| Glassorte / Glasart |
Eigenschaften |
Typische Verwendung |
Relevante DIN-Norm(en) |
| Angriffshemmendes Glas |
Verbundsicherheitsglas mit Spezialaufbau aus Folien und Glas, sehr widerstandsfähig gegen gewaltsame Angriffe (z.B. Einbruch, Beschuss) |
Sicherheitsverglasungen in Banken, Juweliergeschäften, Panzerglas bei Sicherheitsfahrzeugen |
DIN EN 356 (Durchwurfhemmung), DIN EN 1063 (Durchschusshemmung) |
| Antikglas |
Mundgeblasenes, handwerklich hergestelltes Flachglas mit einzigartigen Strukturen (Blasen, Schlieren) und oft intensiven Farben |
Kunstverglasung und Restaurierung historischer Verglasungen (z.B. bei Kirchenfenstern oder antiken Fenstern) |
Keine aktuelle Norm (traditionelles Herstellungsverfahren) |
| Bleiglas |
Klares Glas mit hohem Bleioxidgehalt (mind. 5%), dadurch hohe Dichte und Fähigkeit, Röntgen- und Gammastrahlung abzuschirmen |
Strahlenschutzverglasungen in Medizin und Technik (z.B. Röntgenräume, Labors) |
DIN EN 61331-2 (Strahlenschutzglas) |
| Borosilikatglas |
Spezialglas mit Boroxidanteil; sehr hitzebeständig und chemisch resistent, geringere Thermoausdehnung als Kalk-Natron-Glas |
Laborgeräte, Glasgeschirr (z.B. Backformen), Leuchtenabdeckungen und Solarkollektoren (überall, wo Temperaturwechselbeständigkeit benötigt wird) |
DIN ISO 3585 (Eigenschaften von Borosilikatglas 3.3) |
| Brandschutzglas |
Mehrschichtiges oder spezialbeschichtetes Glas, das im Brandfall Feuer, Rauch und Hitze für eine definierte Zeit standhält; erfüllt je nach Aufbau Anforderungen der Feuerwiderstandsklassen (F, T, G) |
Feuerhemmende Verglasungen in Türen, Wänden und Fassaden zur Abschottung von Brandabschnitten (z.B. F30/F60 Verglasungen in Fluchtwegen) |
DIN 4102 (Feuerwiderstandsklassen nach deutscher Norm) |
| Drahtglas |
Gewalztes Ornamentglas mit eingelegtem Drahtnetz; beim Bruch hält das Drahtgeflecht die Glasscherben teilweise zusammen, jedoch entstehen scharfe Kanten (kein vollwertiges Sicherheitsglas) |
Früher häufig in Schulen, Treppenhausfenstern oder Türen verwendet, um bei Glasbruch Splitterflug zu reduzieren; heute auch noch als einfaches Brandschutzglas eingesetzt |
DIN EN 572-6 (Drahtornamentglas) |
| Einscheibensicherheitsglas (ESG) |
Thermisch vorgespanntes Floatglas mit erhöhter Biegezug- und Schlagfestigkeit sowie höherer Temperaturwechselbeständigkeit; zerfällt im Bruchfall in viele kleine, stumpfkantige Krümel |
Überall, wo verletzungssicheres Glas benötigt wird: z.B. Duschkabinen, Glastüren, Seiten- und Heckscheiben von Autos, Fassaden und Möbel aus Glas |
DIN EN 12150-1 (Thermisch vorgespanntes Einscheibensicherheitsglas) |
| Emailliertes Glas |
ESG-Glas, bei dem während der Herstellung keramische Farbschichten in die Oberfläche eingebrannt werden; die Emaille-Schicht ist dauerhaft, abriebfest und witterungsbeständig |
Farbige Fassadengläser und Dekorverglasungen (z.B. opake/verdeckende Glaspaneele in Vorhangfassaden, Küchenrückwände) |
DIN EN 12150 (Grundnorm für das vorgespannt gehärtete Trägerglas) |
| Floatglas (Kalk-Natron-Glas) |
Planparalleles, durchsichtiges Basisglas mit glatten, feuerpolierten Oberflächen, hergestellt im Floatverfahren; üblicherweise farblos mit leichtem Grünstich (bei eisenarmer Zusammensetzung „Weißglas“ nahezu farbneutral) |
Standard-Flachglas für Fenster, Türen, Fassaden; Grundprodukt für Weiterverarbeitung zu Spiegeln, beschichtetem Glas, ESG, VSG, Isolierglas usw. |
DIN EN 572-2 (Basiserzeugnis Floatglas) |
| Gebogenes Glas |
Durch Wärme thermisch gebogenes Flachglas oder kalt im Verbund gebogenes Glas; behält nach kontrollierter Abkühlung die gebogene Form (zylindrisch, konisch, sphärisch etc.) |
Architektur und Inneneinrichtung mit gebogenen Verglasungen: z.B. gebogene Schaufenster, Fassadenelemente, Glaskuppeln oder Designer-Möbel |
DIN ISO 11485-3 (Anforderungen an gebogenes (vorgespanntes) Bauglas) |
| Glaskeramik |
Ausgangsglas, das durch kontrollierte Kristallisation teilweise in einen keramischen Zustand überführt wird; nahezu auskristallisiert, extrem temperaturwechselbeständig (bis ~700 °C) und sehr formstabil |
Kaminofen-Sichtscheiben, Kochfelder (Ceranfelder) und technische Anwendungen, die hohe Temperaturbeständigkeit erfordern |
DIN EN 1748-2 (Glaskeramik als Bauprodukt) |
| Hitzebeständiges Glas |
Sammelbegriff für Gläser, die hohen Temperaturen standhalten (z.B. Borosilikatglas bis ~300 °C, Glaskeramik bis ~700 °C), ohne zu zerspringen |
Feuerstätten und Beleuchtung (Ofen- und Kaminfenster, Laborbrenner), Bereiche mit großer Hitzeeinwirkung |
DIN EN 1748-2 (für Glaskeramik; Borosilikat nach DIN ISO 3585) |
| Isolierglas (Mehrscheiben-Isolierglas) |
Ein Verbund aus zwei oder mehr Glasscheiben, die durch einen hermetisch abgedichteten Zwischenraum getrennt sind (meist mit Luft oder Edelgas gefüllt); vermindert Wärmeverlust und Tauwasserbildung |
Wärmedämmende Fenstereinheiten und Verglasungen im Gebäude; teils mit Zusatzfunktionen (Schallschutz-, Sonnen- oder Einbruchschutz-Isolierglas) |
DIN EN 1279 (Produktnorm für Isolierglas, Teile 1–6) |
| Kathedralglas |
Spezielles Ornamentglas mit ungleichmäßiger, gewellter oder gehämmerter Oberfläche; meist durchscheinend und oft farbig, mit charakteristischer strukturierter Erscheinung |
Kirchenfenster und kunsthandwerkliche Verglasungen, aber auch dekorative Fenster und Innentrennwände, wo diffuses Licht erwünscht ist |
DIN EN 572-5 (Ornamentglas, inklusive Kathedralglas) |
| Milchglas (Opal- bzw. Mattglas) |
Trübes bzw. mattiertes Glas, das Licht diffus streut und Blickschutz bietet; entweder durch Ätzen/Sandstrahlen der Oberfläche oder als opalweiß durchgefärbtes Glas hergestellt |
Überall dort, wo Lichtdurchlass bei gleichzeitigem Sichtschutz gewünscht ist: z.B. Badezimmerfenster, Sichtschutzwände, Lampenschirme |
Keine eigene Produktnorm (häufig auf Basis von Floatglas nach DIN EN 572, durch nachträgliche Mattierung) |
| Ornamentglas (Gussglas) |
Planes, durchscheinendes Gussglas mit ein- oder beidseitig ornamentierter/strukturierter Oberfläche; kann klar oder gefärbt sein und lässt Licht durch, ohne klare Durchsicht zu ermöglichen |
Innenverglasungen und Fenster, bei denen Sichtschutz oder dekorative Effekte gewünscht sind (z.B. Badezimmertüren, Sanitärbereiche, Strukturglas für Möbel) |
DIN EN 572-5 (Ornamentglas als genormtes Gussglas) |
| Polycarbonatglas (Kunststoffglas) |
Transparentes, bruchsicheres Kunststoff-Glas aus Polycarbonat; erheblich schlagzäher und leichter als Silikatglas, jedoch kratzempfindlicher |
Sicherheitsanwendungen, in denen geringes Gewicht und Splittersicherheit wichtig sind: z.B. Maschinenverkleidungen, Schutzscheiben (etwa an Eishockey-Banden) oder vandalismussichere Verglasungen |
DIN EN 16240 (Massivplatten aus Polycarbonat für Verglasungszwecke) |
| Schallschutzglas |
Mehrschichtige bzw. asymmetrische Verglasung mit erhöhtem Schalldämmmaß; meist durch Kombination aus unterschiedlich dicken Scheiben, speziellen Folien und gasgefüllten Zwischenräumen erreicht |
Fenster an viel befahrenen Straßen, in der Nähe von Flughäfen oder Schallschutzwänden; überall dort, wo Lärmschutz im Gebäudeinneren erforderlich ist |
DIN EN 12758 (Bewertung und Beschreibung der Schalldämmung von Verglasungen) |
| Spiegelglas |
Float- oder Weißglas, das auf einer Seite durch metallische Beschichtung (üblicherweise Silber) verspiegelt wird; zum Schutz der reflektierenden Schicht folgt eine Deckschicht (Lack) |
Wand- und Möbelspiegel im Innenbereich, Spiegelwände in Ballett-/Fitnessstudios, Spezialspiegel (z.B. Einwegspiegel) durch verschiedene Beschichtungen |
DIN EN 1036 (Glas im Bauwesen – Spiegel aus versilbertem Floatglas) |
| Teilvorgespanntes Glas (TVG) |
Wärmebehandeltes Flachglas mit geringerer Vorspannung als ESG; höhere Festigkeit als normales Float, jedoch mit „weicherem“ Bruchbild (reißt in großen Stücken, nicht in Krümel) |
Häufig als Verbundsicherheitsglas-Komponente (eine TVG-Scheibe + Folie + zweite Scheibe) für Überkopfverglasungen und Brüstungen, um Resttragfähigkeit ohne vollständiges Zerkrümeln zu gewährleisten |
DIN EN 1863-1 (Teilvorgespanntes Kalk-Natron-Glas – Definition und Beschreibung) |
| Verbundsicherheitsglas (VSG) |
Aus zwei oder mehr Scheiben bestehendes Glas, die mittels hochreißfester, zäher Folie (meist PVB) verbunden sind; bei Bruch haften die Splitter an der Folie, das Glas bleibt als Verbund stehen |
Sicherheitsverglasungen mit Splitterhaltefunktion: z.B. Frontscheiben von Fahrzeugen, Glasgeländer, Überkopfverglasungen, einbruchhemmende Fenster und Vitrinen (je nach Folientyp und -dicke) |
DIN EN ISO 12543 (Verbund- und Verbund-Sicherheitsglas, Produktnorm) |
| Wärmeschutzglas |
Verglasung mit besonders niedrigem Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert); in der Regel Isolierglas mit Wärmedämmbeschichtung (Low-E) auf einer Scheibe und Edelgasfüllung im Scheibenzwischenraum |
Energiesparfenster und -fassaden im Neubau und bei Sanierung, um Heizwärmeverluste zu vermindern; Standard in modernen Wohn- und Bürogebäude-Verglasungen |
DIN EN 673 (Ermittlung des U-Werts von Verglasungen), DIN EN 1279 (Aufbau als Isolierglas) |